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Hackathons, sinnvoll oder nicht?

Vorwort: Hackathons können nice sein. Zum Beispiel als Format bei Jugend hackt, wo ein Hackathon eine Methode zur Schaffung einer Lernumgebung für Jugendliche ist und es um deren Selbstwirksamkeit geht. Die ausgearbeiteten Ergebnisse bzw. Projekte sind etwas, worauf man hinterher stolz ist, das ist aber nicht der vorrangige Zweck des Wochenendes. Im Kern geht es um die Erfahrungen auf dem Weg dahin, um das Lernen, nicht aber um einen Hackathon mit dem Ziel einen Prototypen oder gar ein Produkt zu entwickeln.

Im weiteren nun ein paar Verweise auf gute längere Beiträge zur Diskussion, zentrale Punkte daraus und eine kurze Argumentation drumherum. Wir halten es für wichtig, sich mit der Methode und dem Buzzword Hackathon sowie den sich aktuell aus Hackathon-Aktionen ergebenden Dynamiken intensiv auseinanderzusetzen.

Handbuch Hackathons (Code for Germany), https://github.com/okfde/hackathon-leitfaden/releases/download/v1.0.0/hackathon-leitfaden-v1.0.0.pdf:

  • „In der Praxis zeigt sich allerdings immer wieder, dass es weniger um die Prototypen als viel mehr Erkenntnisse auf einer strukturellen Ebene geht: Welche Daten, aber auch welche Prozesse werden benötigt, um die vorgebrachten Ideen wirklich auch vorantreiben zu können?“
  • Verweis auf „kein Wettbewerb“, Auszeichnungen sind kontraproduktiv. (Siehe „Wettbewerb als Innovationshemmnis“)
  • „Schwachstellen der kommunalen IT-Struktur erkennen“: besteht das Ziel darin, bislang vorhandene Defizite in den Prozessen und der Infrastruktur einer Kommune zu erkennen, kann ein Hackathon durchaus sinnvoll sein. Wichtig ist es aber, bereits jetzt ausreichende Ressourcen und auch den politischen Willen zu sichern, diese Erkenntnisse auch umzusetzen.

Schwerwiegendstes Argument ist hierbei sicherlich, dass technische Lösungsvorschläge keine sozialen Probleme lösen. Im Nachgang zu Hackathons rund um den Beginn der Corona-Pandemie 2020 fand ein umfangreicher Diskurs zum Thema statt: https://scottberkun.com/2020/its-time-to-learn/, Zitat:

  • „Even better, find people already building solutions, and have been working on these problems for years, who need more money or other support. Builders are often bad at helping if it doesn’t involve them building something themselves (e.g. the mostly pointless pandemic hackathons), even if they’re not the best person to do it.“

Aus „Hope in the Dark“ (Rebecca Solnit, 2005):

  • „Activists often speak as though the solutions we need have not yet been launched or invented, as though we are starting from scratch, when often the real goal is to amplify the power and reach of existing alternatives. What we dream of is already present in the world“.

Wenn stattdessen „Innovation“ durch Hackathons gefördert wird, konkurrieren „neue“ Ideen mit ggf. bereits weiter ausgereiften Projekten und Produkten um Aufmerksamkeit und Finanzierung.

Weitere Artikel und Links aus der jüngeren Debatte in Deutschland (ca. 2020f):